04 Nov. Digitale Souveränität: 6 Bundesländer setzen Nextcloud statt Microsoft ein
Die Abkehr von US-amerikanischen Tech-Giganten in der öffentlichen Verwaltung und im Bildungswesen gewinnt zunehmend an Dynamik. Was lange als frommer Wunsch politischer Digitalstrategen galt, nimmt nun konkrete Formen an: Sechs deutsche Bundesländer haben einen gemeinsamen Rahmenvertrag unterzeichnet, der Schulen den Zugang zu einer souveränen, auf Open-Source basierenden Kollaborationslösung ermöglicht – und damit eine echte Alternative zu Microsofts Produktwelt schafft.
Rahmenvertrag für sechs Bundesländer – und offen für weitere
Zum 3. November 2026 gab Nextcloud offiziell bekannt, dass nach einem öffentlichen Vergabeverfahren der govdigital eG der Hosting-Anbieter IONOS einen vierjährigen Rahmenvertrag für eine cloudbasierte Kollaborationslösung auf Basis von Nextcloud-Technologie erhalten hat. Die sogenannte KoDaS-Rahmenvereinbarung gilt zunächst für die Bundesländer Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Besonders bemerkenswert: Der Vertrag ist bewusst offen gestaltet. Weitere Bundesländer können der Vereinbarung beitreten, ohne ein eigenes aufwendiges Vergabeverfahren durchführen zu müssen. Schulen und Schulbehörden sind zudem nicht verpflichtet, die Lösung einzuführen – sie erhalten lediglich die Möglichkeit, die Plattform entsprechend ihren eigenen Bedürfnissen zu nutzen. Diese Flexibilität dürfte die Akzeptanz vor Ort erhöhen und individuelle Anpassungen erleichtern.
Bereits im Sommer hatte das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern angekündigt, Nextcloud als Ersatz für Microsoft SharePoint einzuführen. Der neue Rahmenvertrag signalisiert, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um einen wachsenden politischen und strategischen Trend in der deutschen Bildungslandschaft.
Was die Plattform leisten soll
Im Mittelpunkt der Vereinbarung steht der IONOS Nextcloud Workspace – eine integrierte digitale Arbeitsumgebung, die speziell auf die Anforderungen von Bildungseinrichtungen zugeschnitten ist. Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler benötigen täglich verlässliche Werkzeuge, um Dateien sicher zu speichern und auszutauschen, gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten und miteinander zu kommunizieren.
Genau diese Funktionen vereint die Nextcloud-basierte Lösung in einer einzigen Umgebung: Dateiverwaltung, kollaboratives Arbeiten an Dokumenten sowie Kommunikationswerkzeuge sind nahtlos integriert. IONOS übernimmt als Hauptauftragnehmer die Bereitstellung und den Betrieb des Dienstes – einschließlich der zugrundeliegenden Cloud-Infrastruktur, die ausschließlich in deutschen Rechenzentren betrieben wird. Nextcloud selbst stellt die Open-Source-Technologie zur Verfügung, auf der die gesamte Lösung aufbaut.
Dieser Ansatz trägt dem Thema Datenschutz und digitale Souveränität unmittelbar Rechnung: Da die Daten in Deutschland verbleiben und auf quelloffener Software basieren, besteht keine Abhängigkeit von Anbietern außerhalb des europäischen Rechtsraums – ein wesentlicher Vorteil gegenüber US-amerikanischen Cloud-Diensten, die unter dem Einfluss des amerikanischen CLOUD Act stehen.
Digitale Souveränität als politische Priorität
Die Entscheidung für Nextcloud reiht sich in eine breitere europäische Bewegung ein. Digitale Souveränität ist in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Begriff in der IT-Politik geworden – auf kommunaler, nationaler und EU-Ebene. Öffentliche Einrichtungen sollen technologisch unabhängiger werden, weniger anfällig für externe Einflüsse und besser in der Lage, eigene Entscheidungen über ihre digitale Infrastruktur zu treffen.
Für den Bildungsbereich ist diese Frage besonders sensibel: Schülerinnen und Schüler sind eine schutzbedürftige Gruppe, und die Daten, die im Schulalltag entstehen, unterliegen strengen Datenschutzanforderungen. Lösungen, die außerhalb des europäischen Rechtsrahmens betrieben werden, stoßen hier regelmäßig auf rechtliche und ethische Bedenken.
Gleichzeitig zeigt die Diskussion in der Fachcommunity, dass die Umstellung auf Open-Source-Lösungen kein Selbstläufer ist. Kritiker weisen darauf hin, dass Microsoft 365 ein eng verzahntes Ökosystem darstellt, das weit mehr umfasst als reine Dateiablage und Textverarbeitung – von Identitätsverwaltung über Geräteverwaltung bis hin zu Sicherheits- und Compliance-Funktionen. Eine vollständige Ablösung erfordert sorgfältige Planung, ausreichende IT-Ressourcen und langfristiges Engagement. Für den spezifischen Anwendungsfall Schule jedoch – also kollaboratives Arbeiten, Dateiaustausch und Kommunikation – bietet Nextcloud eine funktional solide und datenschutzrechtlich überzeugende Grundlage.
Fazit: Ein wichtiger Schritt mit offenem Ausgang
Die KoDaS-Rahmenvereinbarung ist ein bedeutsames Signal: Sechs Bundesländer zeigen gemeinsam, dass der Wechsel zu souveränen Open-Source-Lösungen im Bildungsbereich nicht nur politisch gewollt, sondern auch praktisch umsetzbar ist. Der Rahmenvertrag schafft eine strukturierte, vergaberechtlich abgesicherte Grundlage, auf der Schulen unkompliziert zugreifen können – ohne sich zwingend verpflichten zu müssen.
Ob die Initiative langfristig erfolgreich sein wird, hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Implementierung vor Ort gelingt, welchen Support IONOS als Betreiber tatsächlich leistet und ob die Plattform im Schulalltag die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Die Möglichkeit für weitere Bundesländer, dem Vertrag beizutreten, könnte den Nutzungsgrad erheblich steigern und die Lösung zur echten Alternative für das gesamte deutsche Bildungswesen machen. Fest steht: Der Zug in Richtung digitale Souveränität hat Fahrt aufgenommen – und hält an immer mehr Bahnhöfen.
Quelle: 6 Bundesländer lösen Microsoft durch NextCloud ab
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt.